Müller von Sanssouci

Leseproben

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Müller von Sanssouci - Inhalt

Seite 14

Friedrich winkte mit der Hand ab und sprach müde:
»Ich weiß, ich weiß. Dann werde ich nicht Friedrich der Große werden, sondern Friedrich der Böse. Dass ich gerade einen Krieg gewonnen habe und Schlesien jetzt zu Preußen gehört, weiß dann natürlich niemand mehr. Es ist schon seltsam, was ein Mehlsack heutzutage bewirken kann, wenn man nicht alles sehr genau bedenkt. Teilt dem Müller erst einmal mit, dass seine Mühle durchaus eine Zierde ist und gut zu Sanssouci passe, und dass das Klappern des Windrades Quell ständiger königlicher Inspiration sei.«
Nach diesen Worten begab sich Friedrich zum Frühstück, doch weder das Wasser noch der Kaffee schmeckten ihm; sogar der Packen weiterer Briefe auf dem Frühstückstisch blieb heute unbeachtet; er war nicht bei der Sache.
Erst anschließend, die Flöte an den Lippen und dabei auf- und abgehend, versuchte er mit dem Verstand die Angelegenheit zu klären. Ganz ohne Mühe wurden die Flötentöne schnell zu Melodien, doch die Gedanken stolperten durcheinander und folgten keiner Harmonie: Ein Müller fordert mich heraus, ein Mensch ebenso wie ich es bin.
Doch ist er ebenso klug und hat er all die Verantwortung zu tragen für jeden einzelnen in diesem Lande? Ist es gut, wenn ein Müller kraft des Gesetzes über einen König triumphiert und will das Volk einen Müller über einem König sehen?
Friedrich kam nicht weiter mit all den Fragen und der Tag erschien ihm heute im höchsten Maße als eine Qual. Dazu die Kabinettsräte, begriffsstutzig wie selten, und zu Mittag wurde versehentlich Rheinwein serviert, den er so über alles hasste.
Auch das Flötenspiel nach dem Mahle brachte keinen Durchbruch der Ideen; der nachmittägliche Spaziergang war begleitet vom Schmerz im Unterbauch und Blähungen der besonderen Art.
Beim Abendkonzert bereitete ihm das Allegro noch größere Schwierigkeiten als gewöhnlich. Die anschließenden Reden am Abendbrottisch entsprachen ebenfalls nicht des Königs innerer Stimmung.

Der Müller und der König von Sanssouci - Seite 14